Kinder- und Jugendchöre widmen sich filmischer Musik

Liederkranz Murrhardt freut sich über Neuzugänge beim Nachwuchs – Vorsitzender Bernhard Mohr im Amt bestätigt – Rückblick auf 190. Vereinsgeburtstag

4. März 2020

MURRHARDT (sta). Bei der Mitgliederversammlung des Liederkranzes Murrhardt konnte auf ein erfolgreiches Jahr zurückgeblickt werden. Der große Chor umrahmte die Versammlung stilvoll. Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des 190. Vereinsgeburtstags. Und so konnten sowohl der amtierende Vorsitzende Bernhard Mohr als auch die Sprecherinnen Andrea Ehrhardt für den Frauenchor und Elke Bürkle für Da Capo das lebendige Chorjahr in Erinnerung rufen. Gleich im Januar begeisterten die Chöre beim „Fest der Musik“ – eine Benefizveranstaltung der evangelischen Kirche – und beim Bürgerempfang der Stadt Murrhardt mit schwungvollen, mitreißenden Liedern, berichtet der Liederkranz. Im Februar reiste Da Capo für ein Probenwochenende nach Weikersheim, um sich auf die „Nacht der Jungen Chöre“ vorzubereiten. Parallel dazu wurde eine Festschrift zum 190-jährigen Bestehen des Liederkranzes erstellt und eine vielseitig verwendbare Jubiläumstasche entworfen. Im März war eine kleine Delegation in der Redaktion der Murrhardter Zeitung zu Gast. Die Einzelnen erzählten von ihrem Weg zum Liederkranz und ihrer Motivation zu singen. Die „Nacht der Jungen Chöre“ mit sieben Formationen und mehr als 150 Sängern fand im April statt. Eine faszinierende Sternstunde moderner Chormusik mit einer bunten Palette attraktiver Spirituals, Gospels, Schlager, Folk- und Popsongs, zitiert der Liederkranz einen Bericht der Murrhardter Zeitung. Es folgte ein geschäftiges Maibaumfest, bei dem die Chöre aus Fornsbach und Westermurr begrüßt werden konnten.

Die Liederkranzfrauen erlebten die neu konzipierte Ansbacher Genusstour und lernten die Residenz bei einer informativen Führung kennen. Der Halbjahresabschluss im Juli auf der Häuptleswiese war für Groß und Klein ein vergnüglicher Nachmittag, den ein stimmungsvoller Vollmond am Abend abrundete. Beim Stadtspaziergang mit Gerhard Hörger im August unter dem Motto „Murrhardt gestern und heute“ erfuhren die Teilnehmer so manch Neues über ihr Städtle. Gleich nach den großen Ferien fuhren die Chöre zur Bundesgartenschau (Buga) nach Heilbronn. Im Gepäck hatten sie auch ihren extra dazu verfassten Buga-Song, basierend auf der Melodie „Thank you for the Music“ von Abba. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Auftritt auf der im Neckar schwimmendenden Fährlesbühne. Der Einsatz beim Sängerbesen in Fornsbach und ein Besenausflug folgten im Herbst. Das Adventskonzert wurde durch den Besuch aus der französischen Partnerstadt zur Krönung des Geburtstagsjahrs. Das mächtige, harmonische Ensemble der französischen Sänger und der Liederkranzchöre erfüllte die gut besuchte Kirche St. Maria. Ein gelungenes Wochenende, das auch dank der Unterstützung durch die Stadt Murrhardt ein voller Erfolg war. Das traditionelle Silvestersingen schloss das Jahr ab. Bernhard Mohr dankte allen Mitwirkenden, Helfern und Förderern für das rundum gelungene Jahr mit einer tollen Truppe. Sein besonderer Dank galt der Chorleiterin Angela Westhäußer-Kowalski und ihrem Mann Dietrich. Es hat Spaß gemacht! So kann es weitergehen und einer 200-Jahr-Feier steht nichts im Wege, so seine Bilanz.

Der Bericht der Kinder- und Jugendchorsprecherin Andrea Strobel lässt ebenfalls hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Sie berichtete von zahlreichen Neuzugängen. Die Beteiligung beim Ferienprogramm der Stadt Murrhardt war ein voller Erfolg, so Strobel. Es wurden drei Instrumente gebastelt und kleine Musikstücke einstudiert. Die jungen Teilnehmer führten das Erlernte mit Begeisterung den Eltern vor. Des Weiteren gestalteten die Kinder und Jugendlichen das Adventskonzert mit einem eigenen Programm mit und hatten einen begeisternden Auftritt beim lebendigen Adventskalender auf der Rathaustreppe, der mit einer Nikolausfeier endete.

Das Resümee der Chorleiterin fiel ebenfalls sehr positiv aus. Sie lobte die Chöre für ihre gute stimmliche Entwicklung und freute sich, dass dadurch sowie durch das harmonische Miteinander 2019 zu einem ganz besonderen Höhepunkt geworden sei. In ihrem Ausblick auf 2020 stellte sie eine Erweiterung des Repertoires vor: Für die Kinder- und Jugendchöre stehen Lieder aus Kinderfilmen mit passenden Verkleidungen auf dem Programm. Da Capo widmet sich dem Jazz und Swing. Frühjahrs-, Sommer- und Liebeslieder haben beim Großen Chor Vorrang. Im Juni beteiligen sich die Formationen beim Sommerfest der Villa Franck und präsentieren das neu Erlernte. Kassier Johannes Bay berichtete über die Aufs und Abs der Liederkranzkasse und die Entwicklung der Mitgliederzahlen 2019. Die Kassenprüferinnen Gerda Zopp und Nina von Grudzinski bestätigten eine korrekte Kassenführung, sodass Vorstand und Kassier entlastet werden konnten. Für zehn Jahre Mitgliedschaft wurde Jan Reiff geehrt.

Die turnusgemäße Wahl des Vorsitzenden bestätigte Bernhard Mohr im Amt, genauso wie Kassier Johannes Bay. Kontinuität herrscht auch bei der Besetzung des Vereinsausschusses mit Marion Winkle für den gemischten Chor, Elke Bürkle für Da Capo, Jutta Härtner für den Großen Chor, Nina von Grudzinski als Kassenprüferin und Bärbel Stadler für die Pressearbeit. Ingolf Berkes und Helmut Weisheit übernehmen die Wartung und Prüfung der technischen Gerätschaften.

Wie bereits bei der vergangenen Mitgliederversammlung beschlossen, wurde nun eine Anpassung der Mitgliedsbeiträge vorgeschlagen. Außerdem wurde eine Beitragsordnung erarbeitet. Johannes Bay stellte beides vor. Die Vorschläge wurden von der Mitgliederversammlung mit breiter Mehrheit angenommen.

Die Mitglieder stimmten ebenso der Einführung eines neuen Paragrafen in die Vereinssatzung zu. Dies wurde notwendig, um die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung umzusetzen. Im Zuge der Satzungsänderung wird gleichzeitig die Bezeichnung „passives Mitglied“ in „förderndes Mitglied“ geändert und die neue Beitragsordnung sowie eine Kündigungsfrist werden verankert.

Schöne Stimmen und beschwingte Songs

 

Dank des schönen Frühlingswetters und der harmonischen Chorvorträge lockt 27. Maibaumfest des Liederkranzes viele Besucher an.

Spaß beim Singen hatten sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Eigentlich plante der Liederkranz, der heuer seit 190 Jahren besteht, sein 27. Maibaumfest zum Jubiläum mit diversen Gastchören zu feiern. Doch daraus wurde nichts, denn am 1. Mai veranstalten viele Gesangvereine selbst Maifeste, auch sind etliche befreundete Sänger bei der „Nacht der jungen Chöre“ aufgetreten.

Dennoch steht der Maifeiertag ganz im Zeichen des Chorgesangs. Am Vormittag tritt der von Angela Westhäußer-Kowalski geleitete große Liederkranz-Chor auf, den einige Kinder und Jugendliche verstärken. Am Nachmittag folgt der gemischte Chor der Singgemeinschaft der Gesangvereine Fornsbach und Westermurr unter der Regie von Irene Schmidt. Beide Formationen präsentieren voller Schwung und Singfreude einen bunten Reigen aus deutschen und internationalen Frühlings- und Mailiedern, Schlagern und Volksweisen, Evergreens und modernen Songs vor dem Rathaus.

Zum Glück spielt auch das Wetter optimal mit: Bei strahlendem Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen legen viele Besucher aus dem ganzen Umkreis bei ihren Maiausflügen oder (Rad-) Wandertouren über die Mittagszeit eine Rast auf dem Marktplatz ein, sodass die Sitzplätze rar werden und das Helferteam alle Hände voll zu tun hat. Fürs leibliche Wohl ist mit deftigen schwäbischen Festspezialitäten sowie einer großen Auswahl an selbst gebackenen Kuchen und Torten bestens gesorgt.

Bereits zum Start des Maibaumfestes am letzten Apriltag ist einiges los, denn ab dem Mittag herrscht schönes Wetter. Am Nachmittag beobachten zahlreiche Zuschauer aus sicherer Entfernung, wie fachkundige Handwerker den imposanten Maibaum mit Zunftschildern vor dem Rathaus aufstellen. Dessen traditioneller Schmuck aus Kranz und Girlande mit vielen bunten Bändern binden zahlreiche weibliche Liederkranz-Mitglieder gemeinsam auf der Stadthallenterrasse.

Abends sorgt zum zweiten Mal die seit 2011 bestehende Cover-Rock-Akustik-Band Acoustix für beste Stimmung unter den vielen Gästen, die wegen deren klasse Livemusik trotz der noch kühlen Temperaturen lange ausharren. Auch die erstmals angebotene Currywurst habe guten Zuspruch gefunden, freut sich Liederkranz-Vorsitzender Bernhard Mohr. Jochen Rothacker, Bandleader und Schlagzeuger, gründete Acoustix gemeinsam mit Sänger und Gitarristen Marco Braun. Weitere Bandmitglieder sind Bassist Markus Rothacker, Sologitarrist Manuel Hanselmann und Sängerin Anni Volz. Alle haben eine fundierte Instrumental- oder Gesangsausbildung und kommen aus dem Schwäbisch Haller Raum. Sie begeistern das Publikum auf dem Marktplatz mit mitreißend präsentierten weltberühmten Hits und bekannten rockigen Songs vieler Stars. „Unser Schwerpunkt ist Rockmusik, dazu spielen wir gerne Rockabilly und Country, aber auch Metallica“, betont Bandleader Jochen Rothacker.

Famose Stimmen, Harmonien und Rhythmen

Murrhardter Zeitung vom 08.04.2019

Rund 150 Sänger gestalten vielseitiges Programm bei der „Nacht der jungen Chöre“ zum Jubiläum 190 Jahre Liederkranz Murrhardt

Eine faszinierende Sternstunde moderner Chormusik zum Jubiläum 190 Jahre Liederkranz Murrhardt. Die zahlreichen Zuhörer und Zuschauer in der katholischen Kirche St. Maria erlebten eine bunte Palette aus melodisch und rhythmisch attraktiven Spirituals und Gospels, Schlagern, Folk- und Popsongs bei der Nacht der jungen Chöre.

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Sieben Ensembles treten auf, die in den 1990er-Jahren und kurz nach der Jahrtausendwende aus traditionsreichen Gesangvereinen und Liederkränzen hervorgingen. Rund 150 Sänger präsentieren sich in Bestform mit wunderschönen Stimmen, voller Hingabe und viel Gefühl, stimmiger Melodik, Harmonik und Rhythmik. So gratulieren sie dem Liederkranz der Walterichstadt beim Auftaktkonzert zum Jubiläumsveranstaltungsreigen, mit dem dieser älteste Gesangverein in unserer Region seinen 190. Geburtstag feiert.

Vom Start weg springt der Funke der Begeisterung über aufs Publikum in der voll besetzten katholischen Kirche St. Maria, und es herrscht euphorische Feststimmung. Voller Singfreude und Power eröffnet „Da Capo“, der junge Chor des gastgebenden Jubiläumsvereins, mit Ralf Grösslers Gospel „Joyful Voices“ das abwechslungsreiche Programm. Gabriele Muschel-Bodura moderiert es mit Informationen zu den Chören und deren Beiträgen. Vollendet gestalten die Sänger unter der Regie von Dirigentin Angela Westhäußer-Kowalski bekannte schottische und irische Volksweisen: Im Tanzrhythmus das Traditional „Lord of the Dance“, romantisch verträumt die Vertonung des Gedichts „Tis the Last Rose“ vom irischen Poeten Thomas Moore durch Richard Alfred Milliken.

Ein Höhepunkt ist Ralf Grösslers facettenreiches Gospeloratorium „Prince of Peace“, das „Da Capo“ und der „Markanto“-Chor des Gesangvereins „Eintracht“ Grab aufführen. Dabei verschmelzen beide Chöre zu einer harmonisch-klangvollen Einheit. Elegante, melodische und rhythmische Akzente setzen Volkmar Schwozer am Saxofon, Jonas Heck am Schlagzeug und Dietrich Westhäußer-Kowalski am E-Piano.

Starken Eindruck macht die fast perfekte, mitreißende Performance der großen semiprofessionellen Chorformation „Die Abendsterne“ aus Ludwigsburg, die Jörg Thumm leitet. Die wunderschönen ausgebildeten Stimmen der Sänger erfüllen die Kirche mit klangfarbenreichem Gospelchor-Sound. Melodisch und rhythmisch stilvoll und mit fein abgestufter Dynamik interpretieren sie bekannte Songs wie das Traditional „Hallelujah, Salvation and Glory“ oder Michael Jacksons „Will You Be There“.

Für Furore sorgt der Kooperationschor aus den beiden Ensembles „O-Töne“ aus Oppenweiler und „Mundwerk“ aus Markgröningen, den Larissa Schwarzenberger dirigiert und Alexander Burmistrov am E-Piano begleitet. Bezaubernd gefühlvoll bringen die Sänger Leonard Cohens „Hallelujah“ zum Ausdruck, und mit viel Pep „I Will Follow Him“ von Franck Pourcel und Mark Shaiman aus „Sister Act“. Als Geburtstagsständchen für den Liederkranz stimmen sie das „Halleluja“ nach Georg Friedrich Händel an, und alle Chorsänger und Zuhörer singen voller Freude mit.

Sänger begeistern mit

Reinhard Meys „Über den Wolken“

Mit einer erstklassigen, beschwingten Interpretation von Reinhard Meys „Über den Wolken“ in einem beschwingten Rhythmus, der an den Tango erinnert, begeistern die Sänger des „Sing und Swing“-Chors aus Auenwald unter der Regie von Armin Scherhaufer. Zudem bieten sie klangschön „Joy to the World“ aus Georg Friedrich Händels „Messias“ mit poppig-fingerschnippendem Intro dar. Großes Hörvergnügen bereiten die Sänger des von Erhart Schirrmeister dirigierten „TonArt“-Chors des Liederkranzes Concordia aus Sulzbach an der Murr. Sie präsentieren eine originelle, schnelle, poppig-fetzige Version des bekannten Gospels „Oh When the Saints“, dazu in flott swingendem Rhythmus das von Sklaven kreierte ernste Spiritual „Joshua Fit the Battle of Jericho“. Die Besucher klatschen voller Begeisterung mit und feiern mit enthusiastischem Beifall die Mitwirkenden. Gemeinsam bilden die rund 150 Chorsänger zum krönenden Abschluss einen imposanten harmonischen Klangkörper und intonieren den stimmungsvollen Song „You Raise Me Up“ von Rolf Løvland und Brendan Graham. „Das war beste Werbung für den Chorgesang, denn Singen tut Körper und Seele gut“, betont Mario Brenner.

„Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, dass Murrhardt für einen Abend die Hauptstadt der jungen Chöre ist. Nun habe ich keine Angst mehr um die Zukunft der Chormusik“, hebt der neu gewählte Vorstand Organisation des Chorverbands Friedrich Schiller hervor. „Junge, lebendige Chöre singen immer mehr moderne christliche Lieder, denn spiritual Gospels verkünden die frohe Botschaft von Jesus Christus“, freut sich „Hausherr“ Pfarrer Andreas Krause, der die katholische Kirchengemeinde St. Maria Murrhardt und die Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal leitet.

Das bleibt im Ohr, das trifft ins Herz

 

MurrhardterZeitung vom 02.04.2019

Mitglieder des Liederkranzes Murrhardt erzählen, wie sie zum Singen gekommen sind – Brücke zwischen den Generationen

Viele Wege führen zum Liederkranz: Es gibt ganz unterschiedliche Geschichten, wie Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche zu den Chören des Vereins gestoßen sind. Sie stehen auch für die verschiedenen Möglichkeiten, sich von Musik, dem gemeinsamen Singen und den Auftrittsprojekten begeistern zu lassen.

Die Mitglieder von DaCapo haben auf Schloss Weikersheim – mit Angela (links) und Dietrich Westhäußer-Kowalski (hinten rechts) – für ihren Auftritt am Freitag fleißig geübt. Fotos: privat/J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Der Liederkranz Murrhardt besteht aus drei Erwachsenenformationen (Gemischter und Frauenchor sowie DaCapo) sowie den nach Alter gestaffelten vier Kinderchören und blickt auf eine beachtliche Lebensdauer zurück. Vor 190 Jahren hob Ferdinand Nägele (1808 bis 1879) ihn aus der Taufe. Was der wohl heute zu den Chören sagen würde? Fest steht, dass die Altersspanne der Sänger beachtlich ist, sozusagen eine Brücke über verschiedene Generationen schlägt. Eine kleine Abordnung, die zu Gast in der Redaktion ist, erzählt von ihrem Weg zum Liederkranz und der Motivation, zu singen. Es entsteht das Bild eines kleinen Kosmos, den möglicherweise auch Ferdinand Nägele spannend gefunden hätte.

Da ist zum Beispiel Willy Winkle, der seit über 40 Jahren im Liederkranz singt. Seine Frau war schon länger im Verein aktiv und so stieß auch er dazu. Aus seinen Erzählungen ist herauszuhören, dass das Singen und die Geselligkeit für ihn eine gute Verbindung eingingen. Auch in der Familie hat die Musik ihren Stellenwert, und so sammelte Willy Winkle schon zuvor als Bandmitglied und zwar als Schlagzeuger seine Erfahrungen. Es wurde Tanzmusik gespielt, die „richtig gelupft hat“. Mit dem Liederkranz verbinden ihn das Singen, Vorstandsamt, Freundschaften genauso wie viele Fahrten in die Partnerstädte und weitere europäische Länder. Als er nach einem Schlaganfall und Rehaaufenthalt vieles wieder lernen musste, half ihm sein lieb gewonnenes Hobby auf ungeahnte Weise. „Mit dem Singen ist auch die Sprache wiedergekommen“, sagt der 88-Jährige.

In Relation zu ihrem Alter blickt auch Gesina Haas auf eine beachtliche Zeit beim Liederkranz zurück. Die 22-Jährige ist vor über zehn Jahren dazugestoßen. Die Idee einer Schulfreundin, doch mal mitzukommen, erwies sich als Volltreffer. Gesina Haas fing schnell Feuer bei den Projekten des Kinderchors. Lieder und Rollen beispielsweise der Stücke Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf oder Lotta aus der Krachmacherstraße begeisterten sie. „Das sind Melodien, die im Ohr bleiben. Wir haben auch gespielt, und die Szenen für den Auftritt vor Publikum zu erarbeiten, hat viel Spaß gemacht“, erzählt sie. Mittlerweile unterstützt sie die Kinderchöre selbst und singt in den Erwachsenenformationen mit. Genauso wie Sina Mohr, deren Singkarriere noch ein bisschen früher, mit fünf Jahren, startete. Bei ihr war es eine Kindergartenfreundin, mit der sie hineinschnupperte, aber auch ihre Oma ist mit von der Partie.

Gänsehautfeeling: Applaus nach einer gelungenen Aufführung

„Mich hat beeindruckt, wie man sich als Gruppe etwas erarbeiten und dadurch zusammenwachsen kann“, sagt die 21-Jährige. „Und wenn dann alles klappt, ist der Applaus des Publikums natürlich toll und sorgt für das entsprechende Gänsehautfeeling.“ Will heißen, wenn Stück, Lied oder Szene berühren und ins Herz treffen. Den Rekord in der Runde stellt Laura Weckenmann auf. Die 13-Jährige startete mit drei Jahren bei den Kleinsten des Liederkranzes. Schwester und Cousine sind auch mit von der Partie, und „das Singen macht einfach Spaß“.

Noch relativ frisch, seit November vergangenen Jahres, dabei ist Ingolf Berkes. Da der moderne Chor DaCapo eigentlich immer auf der Suche nach Männerstimmen ist, wirbt Barbara Stadler ihn. Die Erfahrung für den 62-Jährigen ist neu, aber absolut überzeugend. Er lernt sich als Sänger jenseits von spontanen Einsätzen beim Autofahren kennen, wenn mitreißende Musik im Radio kommt. „Ich finde es faszinierend, gemeinsam mehrstimmig zu singen, bei den Proben und Auftritten diese Konzentration zu erleben“, sagt er.

Genau diese Auftritte sind es, die Andrea Strobel zunächst als Beobachterin anzogen. Dadurch, dass ihre Mutter seit 27 Jahren und ihre Tochter seit einem Jahrzehnt beim Liederkranz sind, erlebt sie viele Aufführungen. Allerdings denkt die 49-Jährige, dass sie nicht singen kann. Chorleiterin Angela Westhäußer-Kowalski machte ihr klar, dass sie das für eine Mär hält, nun ist sie seit sechs Jahren Mitglied. „Bei gemeinsamen Proben wie auf Schloss Weikersheim lernt man sich auch noch mal ganz anders kennen.“

Barbara Stadler, stellvertretende Vorsitzende, nickt. Auch sie kennt den anfänglichen Außenblick. „Ich habe beim Besuch von Konzerten diese Freude gespürt.“ Das Singen begleitet sie schon immer, aber vor rund 35 Jahren wollte sie selbst im Liederkranz aktiv werden. „Mir macht es auch Spaß, immer wieder was Neues zu lernen“, sagt die 63-Jährige. Zum einen sind da die Lieder, zum anderen die Choreografie des Stücks, zu der auch phasenweise Arbeit vor dem Spiegel zu Hause gehört.

Das gemeinsame Sich-etwas-Erarbeiten taucht genauso in den Erzählungen auf wie der Austausch und das Erleben in der Gruppe bei Ausflügen. Diese Motivation ist für Dietrich Westhäußer-Kowalski, der mit seiner Frau Angela die Chöre musikalisch begleitet, wertvoll und gleichsam ein Zeichen der Zeit. „Früher gab es in jedem Ort einen Chor. Heute sind die Menschen mobil, wählen bewusst aus, was sie in ihrer Freizeit machen möchten“, sagt er. Beim Stichwort generationsübergreifende Begegnung und Kindermusicalarbeit kommt das Thema darauf, dass sich das Bild von Chören nicht bei jedem zeitlich mitentwickelt hat. Mitglieder werden immer mal wieder darauf angesprochen, ob sie sich denn bei so einer traditionellen Art des Singens aufgehoben fühlen. Barbara Stadler wehrt sich gegen das verstaubte Image. „Die Leute meinen, dass hier Volkslieder im Zentrum stehen, dabei machen wir fast nur moderne Stücke.“ Aber gibt es nicht auch Volkslieder, die qualitativ hochwertig sind? Eine schwierige Diskussion, stellt Dietrich Westhäußer-Kowalski fest. Von dem, was die Fischer-Chöre singen, grenzt er sich klar ab. „Die kirchlichen Chöre haben es in der Hinsicht viel leichter.“ Die Volksmusik sei nicht klar definiert und tradiert, man verfüge nicht über die entsprechenden Überlieferungen oder Sammlungen.

Für die Mitglieder steht jedenfalls fest: Sie brauchen Musik, die ihnen Spaß macht, die sie selbst gerne in Szene setzen. Auch hier sind Angela und Dietrich Westhäußer-Kowalski gefragt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Programme zusammenzustellen, die nicht zu schwer und nicht zu leicht sind, Anforderungen und Machbarkeit vereinen sowie einen roten Faden erkennen lassen. „Das heißt, wir müssen auch vieles selbst arrangieren oder schreiben“, sagt Dietrich Westhäußer-Kowalski. Kein ganz kleiner Zeitaufwand, der auf die Proben aufzuschlagen ist und eher aufs Überzeugungstäterkonto gehört.